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Pressekonferenz: Kupka will Ethikkommission anrufen

Der frühere Hachinger Präsident kämpft weiter um mehr Geld für die Amateure - und bringt einen Fonds für klamme Klubs ins Gespräch

VON ROBERT GASSER UND ANDREAS WERNER

Unterhaching - Manchmal steckt nicht nur der Teufel, sondern eben auch das Gute im Detail. Zum Wochenstart bat Engelbert Kupka zu einer Pressekonferenz, um erneut auf die Missstände zwischen dem deutschen Profifußball und dem Amateurlager hin­zuweisen. Er wird nicht mü­de, zu erklären, dass der Basis seit Jahren Millionenbeträge vorenthalten werden. Um die Dinge anschaulich zu ma­chen, lud er ins VIP-Haus der SpVgg Unterhaching. Sich über das falsche Millionen­spiel Fußball in einem Ge­bäude aufregen, das für den Kommerz gebaut wurde - ist das stimmig? In dem Fall ja. Das Hachinger VIP-Haus ist etwas in die Jahre gekommen. Und gereicht wurde auch le­diglich einfache Kost. Kaltge­tränke, Kaffee, Sandkuchen. Bodenständig.

Sätze wie „das Herz schlägt an der Basis“ oder „ohne Ba­sis keine Spitze“ wären bei edlem Essen wenig authen­tisch geworden - und gerade der Vorwurf, nicht glaubwür­dig rüberzukommen, zielt bei Kupka ins Leere. Schon als Präsident der SpVgg Unterha­ching verstand sich der Jurist früher als Anwalt der kleinen Vereine - und als solcher er­wägt er nun, die Ethikkom­mission des DFB anzurufen.

Nachdem er das Bündnis „Rettung des Amateurfuß­balls“ gegründet hat und vom Verband noch immer keine Antworten auf seinen Fragen­katalog im Namen der inte­grierten Vereine bekommen hat, soll der Gang vor die Ethikkommission der nächste Schritt sein. Aus der TV-Ver- marktung seien statt eigent­lich vertraglich zustehender 36 Millionen Euro nur sechs Millionen an der Basis an­kommen, dank einer Decke­lung und einer dubiosen Zu­satzvereinbarung. Warum das so ist, wurde Kupka noch im­mer nicht stichhaltig erklärt. „Das sollte eigentlich eine un­abhängige Kommission be­handeln.“ Doch fürs Erste versucht man es bei der Ethikkommision des DFB unter der Leitung des frühe­ren Bundesministers Klaus Kinkel. „Ich hoffe nicht, dass sie ablehnt, weil Amateurver­eine als lediglich indirekte Mitglieder des DFB nicht an­tragsberechtigt sind“, sagte der 78-Jährige, „damit könnte die Angelegenheit ganz ele­gant erledigt werden, denn die betroffenen Spitzenfunk­tionäre werden kaum von sich aus Untersuchungen ge­gen sich selbst einleiten.“ Er hoffe dennoch auf ein offenes Gehör, so Kupka: „Ich glaube ja an das Gute im Menschen.“

Der Verband müsse um­denken - schon jetzt gäbe es zu viele alarmierende Zahlen, die die Schieflage dokumen­tieren. Im letzten Jahr wurden laut Kupka deutschlandweit 16 000 Mannschaften abge­meldet, inzwischen sind rund 500 000 Kicker in bunten Li­gen organisiert, weil sie den Spielbetrieb unter DFB-Prä- missen nicht mehr stemmen können - oder wollen.

Von den sechs Millionen Euro kamen angesichts von 25 000 Vereinen nur 240 Eu­ro an der Basis an - zu wenig. Kupka regte an, dass, sollte es künftig mehr Geld geben, ein Fonds gegründet wird, auf den Klubs in finanziellen Nö­ten zugreifen können. Eine praxisnahe Lösung für die or­ganisatorischen Engpässe sei zudem, einen hauptamtlichen Jugendleiter für mehrere Ver­eine einzustellen. In der Regel würden die Klubs bei Geld­sorgen immer zuerst die Ge­meinde anrufen, so Kupka, dabei habe der DFB mehr Mittel. Zu oft würden die Ver­eine im Regen stehen gelas­sen. „Schon wenn einer aus der Zweiten in die Dritte Liga absteigt, ist das wie eine Fahrt in die Hölle“, meinte Kupka.

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